Das ist eigentlich ein Blog, in dem es hauptsächlich um‘s Werbetexten, um Marketing und um Werbung allgemein gehen soll. Aber ich habe nun mal über 20 Jahre meines Berufslebens in der Verlagswelt zugebracht und unter meinen Kunden befinden sich auch Verlage. Daher sehen Sie es mir hoffentlich nach, wenn ich ab und an auch einmal ein Thema aus diesem Umfeld aufgreife.

Das als Vorbemerkung; und jetzt zu der steilen These, die ich in der Überschrift aufstellte: Schon seit Beginn des Internetzeitalters und der Digitalisierung von Informationen (CD-ROMs! – erinnert sich noch jemand an CD-ROMs?) liest und hört man einen Nachruf nach dem anderen auf gedruckte Medien. Bücher, aber ganz besonders Zeitungen und Zeitschriften, haben angeblich keine Perspektive mehr. Natürlich hat die Branche mit dem digitalen Wandel zu kämpfen, aber seit kurzem glaube ich ganz fest, dass zumindest die Zeitschrift eine Zukunft hat, und Schuld daran hat meine Nichte. Sie wird in 4 Monaten 12 Jahre alt und geht in die 6. Klasse eines Mädchengymnasiums. Sie ist ein ganz normales Mädchen unserer Zeit. Sie hat ein Nintendo und ein Smartphone, sie schaut gerne Tierfilme und verbringt viel Zeit auf Youtube und in ihren diversen WhatsApp-Gruppen. Ein Kind des digitalen Wandels.

Kürzlich habe ich meine Nichte zu einer dreitägigen Berlinreise eingeladen – sowas muss man als Patenonkel ab und an mal machen. Interessanterweise zog es sie bei unseren Exkursionen durch die Hauptstadt immer mal wieder in einen der örtlichen Kioske – Sie war auf der Suche nach der aktuellen Ausgabe von „Yeah!“ oder „Hey!“. Das sind Zeitschriften für Mädchen, die zu alt für Bussi Bär sind (wobei: Gibt es Bussi Bär eigentlich noch?), aber noch zu jung für die BRAVO. Und in der Wahrnehmung meiner Nichte ist das auch nur EINE Zeitschrift, die mal unter dem Namen „Yeah!“ und mal unter „Hey!“ erscheint. Das stimmt zwar nicht, aber beide Titel sind in Themenmix, Aufmachung und Zielgruppenansprache derart ähnlich, dass man das durchaus annehmen kann. Tatsächlich aber ist „Yeah!“ ein Ableger von BRAVO (also Bauer Verlag), während „Hey!“ von Panini ist. Ich stelle gerade fest, dass die an sich schon bescheuerten Titel bei mehrmaligem Schreiben, Sprechen oder Denken noch bescheuerter werden: Yeah! – Hey! – Yeah! – Hey! – Yeah! – Hey! – da wirste bekloppt! Aber ich schweife ab, zurück zum Thema: Ich fand es durchaus erstaunlich, dass die Kids von heute tatsächlich noch echte gedruckte Zeitschriften lesen, und laut meiner Nichte tun das in ihrer Klasse viele. Und als sie dann beim Abendessen den Fotoroman in der „Yeah!“ (oder war es doch die „Hey!“?) las, stellte sie leider fest, dass sie wohl eine Ausgabe verpasst hat. Und das gute Kind zog aus dieser Misere den aus Verlagssicht einzig richtigen Schluss: „Da muss ich mir wohl zu Weihnachten oder zum Geburtstag ein Abo wünschen, dann passiert mir das nicht mehr!“ Ist das nicht großartig? Die Kinder von heute lesen! Und zwar Zeitschriften! Und wünschen sich Abos! Die Welt ist schön!

Also liebe Verlagskollegen, es gibt Hoffnung! Macht weiter Zeitschriften und bestärkt unsere Kinder darin, dass ein Abo etwas Gutes ist. Und ich bereite mich jetzt schon auf den Moment vor, wenn meine Nichte mich fragt: „Was ist eigentlich eine Abofalle?“. Denn dann muss ich ihr erklären, dass es auch böse Menschen gibt, die mit Abos unseriöse Geschäfte betreiben. Aber lieber erkläre ich das, als das mit den Bienen und den Blumen.

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