Sie kennen doch bestimmt den aktuellen TV-Spot der Hotelvergleichsseite TRIVAGO, oder? Wahrscheinlich gehören Sie dann auch – genau wie ich – zu den Leuten, die sich darüber fürchterlich aufregen. Speziell über den Hauptdarsteller. Optisch ein smarter Typ, aber leider  mit einem fürchterlichen Sprachfehler gestraft, so dass man den Text, den er spricht, nur schwer versteht. Und das ist wirklich schade. Denn wenn man sich anstrengt und genau hinhört, dann stellt man fest, dass zumindest der Texter des Spots sein Handwerk beherrscht.

 

Guter Text, schlecht präsentiert

Ich habe mir deshalb mal die Mühe gemacht und mir den Spot auf Youtube mehrfach angeschaut, um den Text mitzuschreiben. Dabei hatte ich gehofft, die zuschaltbaren automatischen Untertitel wären mir dabei eine Hilfe, aber da kamen dann Sätze raus wie „So einfach Privatautos und ist gleichzeitig voller überraschender Seiten und zeigte den beliebtesten hält“. Leider nicht hilfreich und zugleich der Beweis, wie undeutlich der gute Mann spricht. Deshalb ging das nur auf die harte Tour: Abspielen, zuhören, pausieren, aufschreiben, abspielen, nochmal zurückspulen, pausieren, aufschreiben, und so weiter. Aber die Mühe war es wert, denn der Text ist wirklich gut. So fängt er an:

Hast Du online schon mal ein Hotel gesucht? Puh, gar nicht so einfach… Dasselbe Zimmer wird auf zig verschiedenen Seiten zu unterschiedlichen Preisen angeboten. Also eigentlich müsste man stundenlang suchen und vergleichen.

Dieser erste Teil entspricht dem ersten der 4 P der klassischen Dramaturgie eines Direktwerbetextes, dem „Picture“, also dem Bild. Es wird eine Situation beschrieben, die wahrscheinlich jeder kennt, der schon mal online ein Hotel gesucht hat und der entsprechende Leidensdruck („stundenlang suchen und vergleichen“) wird dramatisiert.

Wenn der Text der 4-P-Dramaturgie folgt, dann müsste nun das zweite P für Promise (Versprechen) kommen. Tut es das? Lassen Sie uns mal sehen:

TRIVAGO macht genau das für Dich, und vergleicht sofort die Preise von über 200 Hotelbuchungsseiten. Statt also selbst zu suchen, um am Ende doch noch zu viel zu bezahlen, macht TRIVAGO es Dir ganz leicht, Dein ideales Hotel zum besten Preis zu finden.

Bingo! Tatsächlich kommt jetzt das Versprechen: TRIVAGO kann das im Picture beschriebene Problem lösen, und zwar ganz leicht. Dann geht es so weiter:

Geh einfach auf TRIVAGO, gib ein, wo Du hinwillst, An- und Abreise-Datum wählen und suchen – so einfach! TRIVAGO durchsucht jetzt gleichzeitig hunderte Apps und Webseiten und zeigt Dir die beliebtesten Hotels. Du kannst den Preis anpassen, so dass er zu Deinem Budget passt; die Anzahl der Sterne auswählen; oder nach der durchschnittlichen Hotelbewertung filtern, auf Basis von mehr als 100 Millionen Kundenbewertungen. TRIVAGO zeigt Dir dann all die verschiedenen Preise für ein und dasselbe Zimmer.

Diese Textpassage entspricht dem dritten P, dem Proof (Beweis). Es wird anschaulich beschrieben, wie leicht es geht, TRIVAGO zu bedienen und welche hilfreichen Optionen (Anzahl der Sterne, Filtern nach Preis oder Bewertungen) zur Verfügung stehen, damit auch wirklich genau das Hotel gefunden wird, das am besten zu zu Ihnen passt. Im Spot werden diese Optionen zudem noch optisch dargestellt, was den Effekt noch mal erhöht; aber selbst in der „Nur-Text“-Variante funktioniert das Ganze schon recht gut. Der Spot endet dann so:

So kannst Du Dir sicher sein, Du findest immer Dein ideales Hotel zum besten Preis. Mit TRIVAGO!

Zugegeben, das entspricht jetzt nicht so ganz dem vierten P, dem „Push to the action“ (zum Handeln bringen). Wenn ich den Text geschrieben hätte, dann hätte ich das Ende so formuliert:

Geh jetzt gleich auf www.trivago.de und überzeuge Dich davon, wie einfach es ist, Dein ideales Hotel zum besten Preis zu finden. Mit TRIVAGO!

Aber trotzdem, auch ohne das vierte P steht fest: Der Text ist wirklich gut (wenn man ihn denn versteht) und man merkt, dass der Texter weiß, was er tut. Im Gegensatz zum Casting Director, der für die Auswahl des Sprechers zuständig war.

4 thoughts on “Warum der TRIVAGO-Fernseh-Spot gar nicht so schlecht ist

  1. Gute Analyse und auch ich finde den Hauptdarsteller nervig, aber meinst du das wirklich ernst, dass du den Spot mehrfach anschauen und sogar mitschreiben musstest, um alles zu verstehen? Das erscheint mir doch sehr übertrieben… Ich konnte alles problemlos verstehen

    1. Erstmal vielen Dank für die netten Worte. Ich finde, dass der Sprecher einige Wörter extrem undeutlich spricht, man versteht sie aber durch den Kontext trotzdem. Ansonsten hast Du mich aber – glaube ich – missverstanden: Ich musste den Spot nicht mehrfach anschauen, um ihn zu verstehen, sondern um ihn mitzuschreiben. Steno kann ich leider nicht. Und mitschreiben musste ich ihn, weil ich ihn sonst nicht hier im Blog hätte zitieren können.

  2. Mir ist da auch was aufgefallen: Im Spot sagt er nicht“ […] Also eigentlich müsste man stundenlang suchen und vergleichen.“ sondern einfach blos “ ‚So eigentlich müsste man stundenlang“

    zuerst dachte ich das liegt an seiner nuscheligen Aussprache. Aber die Frau in der Werbung die jetzt im Trivago Spot zu sehen ist sagt es genauso – ironischerweise in pikfeiner korrekter Aussprache, so dass es richtig holprig wirkt. Es wird tatsächlich so geschrieben worden sein.

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