In den USA gibt es einen Fernsehsender, der den ganzen Tag nichts anderes als Gameshows zeigt: „Deal Or No Deal“, Glücksrad, „Der Preis ist heiß“ und so weiter. Während meines Florida-Urlaubs letzte Woche habe ich öfter mal in den „Game Show Channel“ (so der recht passende Name dieses Senders) reingeschaut. Erinnern Sie sich noch an „Familienduell“ mit Werner Schulze-Erdel auf RTL? Dort mussten die Kandidaten raten, welches die häufigste Antwort von 100 befragten Personen auf eine bestimmte Frage war. In einer Folge von „Family Feud“, dem amerikanischen Original, ging es dabei um die Frage „Was machen Sie während der Werbeunterbrechungen beim Fernsehen?“ Die häufigsten Antworten waren Essen, Trinken und zur Toilette gehen. Die Antwort, die ich gegeben hätte, tauchte dagegen gar nicht auf. Ich hätte nämlich geantwortet: „Die Werbung anschauen“. Und das habe ich auch während meines USA-Aufenthaltes tatsächlich getan, denn als Marketingmann interessiert es mich natürlich, was die Amerikaner da zurzeit so machen. Und in der Tat konnte ich ein paar interessante Erkenntnisse gewinnen, die ich heute mit Ihnen teilen möchte.

 

Call to Action – auch bei TV-Werbung

Auffällig ist, dass in den USA sehr viel mehr Werbespots mit Mitteln der Direktwerbung arbeiten. Es gibt kaum eine Fernsehwerbung ohne „Call to Action“: Man wird zum Beispiel aufgefordert, eine 0800-Nummer zu wählen oder eine bestimmte Webseite zu besuchen. In der Regel wird diese Aufforderung auch mit einer Prämie verbunden: Versicherungen arbeiten da gerne mit den obligatorischen „free reports“, also Broschüren mit wertvollen Informationen zum Thema Vorsorge und Versicherung; Webseiten bieten gerne Prämien an, wenn man eine bestimmte Seite besucht und den eingeblendeten Promo-Code eingibt  – ich erwähnte ja bereits letzte Woche den Aktenvernichter, den Lifelock.com als Prämie anbietet. Eigentlich verwunderlich, dass das in Deutschland nicht auch viel öfter gemacht wird. Ich hatte ja bereits in einem anderen Blogbeitrag auf den großen Vorteil „Messbarkeit“ bei Direktwerbeaktionen hingewiesen. Aber in Deutschland gibt mal wohl lieber viel Geld für teure Imagekampagnen aus, bei denen man hinterher gar nicht so genau weiß: Hat das jetzt was gebracht oder nicht?

 

Anwälte auf Mandantensuche

Interessant und ebenso skurril sind Werbespots von Anwaltskanzleien, in denen gezielt nach Menschen gesucht wird, die nach der Einnahme von bestimmten Medikamenten an schweren Nebenwirkungen zu leiden hatten, um diese dann vor Gericht zu vertreten. Hier ein Beispiel für einen solchen Spot: https://www.youtube.com/watch?v=XKW7ztHpb0E

So was habe ich in Deutschland noch nie gesehen; wahrscheinlich, weil das hierzulande verboten wäre. Und auch wenn diese Art der Mandantenwerbung auf uns befremdlich wirkt: Clever ist das das Ganze schon.

 

Darm mit Charme?

In Sachen Skurrilität kaum zu toppen ist dagegen der Spot für das Magen- und Darm-Medikament Xifaxan. Star dieser Werbung ist ein Art Knetmännchen-Figur, so ähnlich wie Sie es aus den „Wallace & Gromit“-Filmen kennen. Allerdings handelt es sich bei dieser Figur nicht um einen Hund, ein Schaf oder ein lustiges Männlein, sondern um einen Darm. Ja, Sie haben richtig gelesen, ein Darm. Mit Ärmchen und Beinchen. Mit Kopf, Augen und Mund. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie etwas gesehen, was sehr niedlich und gleichzeitig total widerlich ist. Bis ich dem Xifaxan-Darm begegnet bin. Aber machen Sie sich selbst ein Bild: http://www.ispot.tv/ad/AYS4/xifaxan-you-know-the-symptoms

Können wir aus diesen Erkenntnissen irgendetwas lernen? Ich denke schon. Zum Beispiel, dass es kein Fehler ist, jede Werbung, egal auf welcher Plattform, mit einem „Call to Action“ zu versehen. Vom Einsatz von zum Leben erweckten Innereien möchte ich Ihnen dagegen abraten. Die Zeit scheint mir dafür noch nicht reif, auch wenn die Macher des Xifaxan-Spots das vielleicht anders sehen.

 

 

 

One thought on “Werbung auf Amerikanisch

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